Porto Santo 

Willkommen auf Porto Santo!
Mehr "lost & lonely" geht nach relativ überschaubarer Anreise aus Berlin kaum. Und wohl schon gar nicht mehr in Europa. Vor allem nicht, wenn man Meer will. Oder am mit angeblich rund neun Kilometern längsten durchgehenden Sandstrand Europas entlang laufen möchte. Auf Porto Santo gibt es nicht viel zu sehen, also im herkömmlichen Sinne von "Sehenswürdigkeiten". Dennoch gibt es viel zu entdecken und zu genießen. Porto Santo ist eher die gezielte Einzeltherapie denn ein ausschweifender Gruppenausflug. Hier hat man von Vielem & Wichtigem zum Glück ein bisschen mehr: 
Platz, Sonne, Strand, Sand, Ruhe, Horizont, Meer, Wind und Wellen.

Porto do Porto Santo

Hier könnte man ankommen. Und am liebsten gleich mal bleiben, zumindest eine ganze Weile. Porto Santo scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen. Es ist alles einen Tick gemächlicher, entspannter, leerer, netter, schöner. Es ist ein Ort zum Wohlfühlen, oder der Ausgangspunkt für eine weitere Reise. Ein Leuchtturm, ein Anker oder eben ein Hafen im Atlantik jenseits unser gewohnten Orte: für all die Gestrandeten, die Fliehenden, die Angekommenen. Wunderschön zu betrachten all ihre Zeichen und Symbole, ihre Botschaften und ihre Namen. Von all den Booten, die hier auf Porto Santo vor Anker gingen, schon wieder auf dem Törn gen Heimat oder zu neuen Ufern unterwegs.


Mühlenallee

Hier hätte man sie gut erfinden und sich zu Nutze machen können: Mühlen. Denn ein bisschen Wind geht auf Porto Santo eigentlich immer. Auch gern mal etwas kräftiger. Mitunter auch ein paar Tage hintereinander. Früher wurden auf der Insel ca. 40 Mühlen zum Getreidemahlen betrieben. Nun ruhen noch drei davon, bzw. thronen oben am "Miradouro". Ihr Werk ist bereits vollbracht worden, in früheren Zeiten. Nun genießen sie ihren Ruhezustand und die Aussichten, schauen stolz und erhaben über "ihre" Insel, den Wolken nahe und auch nahe beieinander. Sodass sie auch in stürmischen Zeiten nie alleine sind. Was braucht es mehr?!

Strandmeer. Sandmeer. Nix mehr.*

Ich schaue nach links, der Strand lässt sich so um die zwei Kilometer gut überschauen. Ich schaue nach rechts, auch hier kann ich gut zwei Kilometer weit gucken. Was ich sehe? Keinen einzigen Menschen am Praia do Porto Santo. Dafür Sand und Strand und Horizont ohne Ende. Die Wolken ziehen, der Himmel wechselt sein Gesicht. Manchmal fällt ein Tropfen, meist scheint die Sonne. Dazu rauscht das Meer. Und Gischt weht über die Wellenkämme. Hin und wieder lässt sich eine Möwe sehen oder hören ... viel mehr ist hier nicht. Das ist einfach schön. Hier ist es einfach wunderschön. 



* Inspiriert für meine Überschrift hat mich der mir aus meiner mecklenburgischen Heimat vertraute Spruch: "Waldmeer, Sandmeer, nichts mehr". Diesen verbanden einst dort in Eggesin, Torgelow oder Drögeheide (Allein dieser Name sagt alles!) stationierte NVA-Soldaten mit der Gegend meiner Kindheit im Nordosten Deutschlands. 

Ponta da Calheta

Als träfen hier mindestens zwei Welten aufeinander, so bewegt erscheint hier im Westen der Insel manchmal das Leben, bzw. das Meer. Nur die erkaltete Lava liegt geruhsam danieder. Und hat sich in Jahrtausenden ein eigenes Tor geschaffen, durch das die Wellen Einlass begehren und wir unsere Blicke schweifen lassen können. Hier ist der perfekte Platz, um am Meereshorizont das naheliegende Madeira zu sehen oder der Sonne bei ihrem Untergang als stiller Teilhaber Gesellschaft zu leisten. Am Strand ihr entgegen wandernd oder mit dem Rad kommend und bei einem Glas Wein im Restaurant O Calhetas.

Perspektivwechsel in Ponta da Calheta 

Wie viel Zeit brauchte wohl die Natur, um sich hier einen besseren Durchblick zu verschaffen? Jahrtausende, Jahrmillionen ... Jahr ein, Jahr aus auf jeden Fall. Uns ermöglicht diese natürliche Beharrlichkeit neue Sichtweisen. In diesem Fall auf das Meer, wobei man am Ponta da Calheta manchmal den Eindruck gewinnt, als träfen hier zwei Meere aufeinander. Das mag auch an der vorgelagerten Insel liegen, um die herum sich die Wellen mühen vor ihrem rivalisierenden Aufeinandertreffen. Ilhéu da Cal, wie die Insel heißt, ist leer an Menschen und voll von Vögeln, zumindest zu den gefiederten Hauptreisezeiten.


Mit dem Bike auf Touren kommen

Auf Porto Santo kann man super auf Touren kommen. Die Wege sind eher kurz, die Blicke hingegen reichen weit. Ein Fahrrad ist fix gemietet, die Straßen sind in Ordnung, die Strecken vielseitig. Es geht runter an den leeren Strand oder hoch auf die leeren Berge, durch meist auch leere Landschaften. Leere überall. Es gibt Wind und Wasser, Erde und manchmal brennt auch irgendwo ein Feuer. Abseits zu sein bedeutet hier also, mitten drin zu sein in all den Elementen und dabei ohne Stress unterwegs zu sein zu eigenen Horizonten und individuellen Perspektiven.

Zentraler Genuss im Mercado Velho

Hereinspaziert! Wo einst in Vila Baleira die Händler ihre Waren präsentierten, genießen nun die Gäste - Einheimische wie Fremde - Wein und Essen. Die einstige Markthalle wurde zu einem Restaurant umgebaut und liegt zentral im kleinen Ort. Doch auch der großen Welt fühlt man sich hier verbunden, zum Beispiel dank der vielen Segler, die auf ihren Landgängen eine Pause machen und sich einen Poncha genehmigen, oder auch noch einen. Doch es braucht schon die geübte Kehle eines Seemanns, um mehrere Ponchas zu vertragen. Den Poncha gibt es übrigens nur hier und auf der großen Nachbarinsel Madeira.

Heilender Sand

Neben dem Himmel und dem Meer, der Ruhe und der Gelassenheit, gibt es hier auf Porto Santo noch eines ganz viel: Sand. Der ist nicht heilig, sondern heilend. Dem feinen Sand am kilometerlangen und auf Kilometer leerem Praia werden wunderbar heilende Kräfte nachgesagt. Angereichert aus in Jahrhunderten von der Erosion zerriebenen Korallen und mit einer Extraportion Magnesium, Kalzium, Strontium, Phosphor, Jod und Schwefel versehen, haftet der Sand lange an der Haut und lässt seine heilenden Kräfte wirken. Doch der Sand heilt nicht nur unseren Körper, sondern der Strand zugleich auch unsere Seele. Wer weiß, welcher dieser beiden Aspekte Christiano Ronaldo bewogen hat, hier ein großes Stück Land, Strand und Sand zu erwerben ...


Hier pfeift nicht nur der Wind.

Auf Porto Santo pfeift nicht nur der Wind. Es gibt auch eine rund vierzig Meter hohe Orgel aus Stein. Zumindest sieht die Steinformation am Pico de Ana Ferreira so aus, dem höchsten "Berg" im Westen der Insel und gut erreichbaren Ziel für eine kleine Radtour. Die einzelnen Orgelpfeifen sind aus Basalt - und damit vulkanischen Ursprungs. Sie kommen kommen meist in vier- bissechseckigen Säulenformationen vor. Hier kann man das Rad einfach stehenlassen und den "Aufstieg" auf den 283 Meter hohen Pico de Ana Ferreira angehen, wenn man auf schöne Aussichten steht.



Algen zu Brot statt Wasser zu Wein

Porto Santo ist voller Geheimnisse. Ein besonders aufregendes und auf dieser Insel so unvermutetes "Konstrukt" ist in der Nähe des Hafens zu bewundern. Hier ist der Sitz von Buggypower, einem nachhaltig orientierten Biotechnologieunternehmen, das sich der von Mikroalgen betriebenen Photosynthese angenommen hat. Das Ziel: nicht Wasser in Wein, sondern irgendwann Algen in Brot zu verwandeln. Noch reicht die gewonnene Biomasse "nur" für Tierfutter oder Nahrungsergänzungsmittel, Stichwort Superfood. Ihre futuristisch anmutenden Photobioreaktoranlagen stehen direkt an der Straße. So lässt sich die Zukunft unserer Ernährung quasi vor Ort beobachten und miterleben, zumindest für alle, die genug Muse oder Phantasie haben.



Porto Santo: Ein Schiff wird kommen ...

Neben dem Flugzeug kommt man nur mit dem Schiff auf die Insel. Das geht ganz bequem von Madeira aus mit der Fähre und dauert nicht lange. In etwas über zwei Stunden gelangt man von der großen Schwesterinsel auf das rund 17 mal kleinere Eiland. Diese Schiffspassage ist wie eine kleine Kreuzfahrt und besonders eindrucksvoll, wenn man wie ich den umgekehrten Weg gewählt hat und sich im Abendlicht Madeira nähert. Noch eindrucksvoller, wenn das genau zur Weihnachtszeit passiert und Straßen, Plätze & Häuser im Dunklen gemeinsam leuchten, blitzen und funkeln wie ein riesiger Diamant, der aus dem Meer ragt. Ein Bild zwischen wahnsinnig und beeindruckend.


Blütennotstand

Zugegeben, die eigentliche Blumeninsel ist eindeutig Madeira. Dort gibt es rund 1.200 verschiedene Pflanzenarten, darunter 120 endemische. Dagegen ist die Flora auf Porto Santo ganz sicher überschaubarer. Aber, was seltener ist, ist oft eben auch beeindruckender oder wird eher wahrgenommen. Zumal Port Santo gegenüber Madeira ja mit ganz anderen Qualitäten auftrumpfen kann, zum Beispiel mit seinem heilenden Sand. Und irgendwas blüht eigentlich auch hier immer, im "Notfall" halt die Phantasie.


Ein Mann sieht rot.

An manchen Tagen legen die Farben rund um Porto Santo noch eine Schippe drauf, und zwar eine beträchtliche. Dann wird es draußen über dem Meer so intensiv, dass man mitunter seinen Augen kaum so richtig trauen mag oder der Betrachter eben diesen Bildern. Doch gerade nach Regentagen mit ihrer reinigenden Wirkung auf die Luft & Atmosphäre kommt es hin und wieder zu einem wahren Farbenrausch, der sich weit über den Horizont erstreckt und mich in der Tat ganz klassisch "rot sehen" lässt."


Gestrandet und versandet

Auf Porto Santo kann man auch mal versacken, beziehungsweise versanden. Afrika einschließlich Sahara ist nur rund 500 Kilometer entfernt und der Sand macht sich gern einmal auf eine stürmische Reise. Hier ist er willkommen und kann sich mit den heimischen Mineralien anfreunden. Daraus entstehen heilende Wirkungen, kleine Dünen und Szenarien wie diese.


Lapas- die gemeinen Napfschnecken

Nun, gemein ist an den Lapas eigentlich gar nichts. Sie sind einfach nur köstlich. Gegrillt oder in den Ofen geschoben mit Butter und Knoblauch, ein bisschen Zitrone drübertröpfeln und  ... lecker, absolut lecker! Gemein ist dann vielleicht, wenn die letzte Portion aufgegessen ist und man nachordern möchte. Doch die Bedienung hebt bedauernd die Schultern und teilt mit, dass die Lapas für heute alle sind. 
Was nun essen, ein Blick in die Speisekarte gefällig? In einem Restaurant am Praia do Porto Santo las ich auf der Karte die beiden angebotenen Kindergerichte, betitelt mit "I don't like" und "I don't know" - irgendwie auch eine köstliche Idee.

Das Wetter und die Aussicht

Kommen wir nun zu den Wetteraussichten auf Porto Santo! Die wechseln gefühlt minütlich. Das ist vermutlich die eigentliche Konstanz auf Porto Santo: der verlässliche Wechsel des Wetters. Doch ein paar Tropfen Regen lassen sich aushalten, die Sonne lässt sich zuverlässig immer wieder blicken und Blicke kann man hier endlos schweifen lassen ... genauso wie seine Gedanken, zum Beispiel mit Blick gen Westen am Miradouro da Portela no Porto Santo.