Sizilien 

Sizilien als lost & lonely-Ziel, echt jetzt?! Klar, wie fast überall geht es darum, "wie" und vor allem auch wann man wo ist. So hat Sizilien im Osten und im Südosten einige Städte und Stätten, Ansichten und Aussichten, die es zu genießen und zu entdecken gilt. Antike Stätten, barocke Städte oder die wie "Schwalbennester" an einem Berg klebenden bzw. auf ihm thronenden Orte, die gefälligen Landschaften im Inneren und natürlich das Meer. Und die über allem wehende Rauchspur des Ätna - ein wahrhaft majestätischer Gipfel mit natürlicher Ausstrahlung und Würde, an dem man sich nie satt sehen kann.

Taormina. Eine Stadt als Terrasse


Wer nach Taormina reisen will, sollte genau einen Aspekt im Blick haben: Wann? 
Denn die auf mehreren Ebenen am Monte Mauro angesiedelte Stadt ist Siziliens touristischer Hotspot schlechthin. Im Februar allerdings war das Städtchen gut erlebbar und besuchbar. Und es ist wirklich schön hier. Das liegt vor allem an der Lage. Die Stadt ist eine einzige und einzigartige natürliche Terrasse. Überall wechseln Horizonte und Perspektiven, Ansichten und Aussichten. Das hat auch Maler und Dichter schon immer inspiriert, zum Beispiel Goethe. Taormina ist eine reiche Stadt. Das gilt - insbesondere im Vergleich zum sonstigen Sizilien - nicht nur für die Einwohner, sondern vor allem für die Stadt und ihre musealen und architektonischen Schätze. Und da sich Taormina zwischen Meer und Bergen immer mehr breitgemacht hat, kommt man an dieser Stadt ohnehin kaum mehr vorbei. 

Vorhang auf in Catania

Mittendrin - und doch auf wundersame Weise versteckt bzw. zwischen Häusern eingebaut - liegt das antike Theater von Catania und macht die Stadt so praktischerweise gleich zu einem Teil der Kulisse. Diese antike Spielstätte wurde unter römischer Herrschaft im 1. und 2. Jahrhundert auf den letzten Strukturen eines griechischen Theaters "neu" aufgebaut. Schätzungsweise fanden hier 7.000 Zuschauer Platz. Übrigens, wer nicht suchen will: der etwas versteckte Eingang zum großen Theater mit kleinem Museum befindet sich in der Via Emanuele 266.

Schwindelfrei und atemberaubend: Castelmola


Wer im Leben wirklich einmal hoch hinaus will, der kann das in Castelmola endlich - für sich - abhaken. Vorausgesetzt man ist schwindelfrei und kann atemberaubende Aussichten in einem der schönsten Dörfer Italien genießen. Von hier aus wird die ganze Pracht Ostsiziliens sowie der majestätische Ätna noch sichtbarer als vom drunter gelegenen Taormina. Wunderbare Farben, üppig begrünte Gassen und lauter phantastische Blicke. Castelmola hat viel zu bieten und weniges zu verstecken. Empfehlung: Hoch mit dem Bus ab Taormina, runter den wunderhübschen Abstieg durch viel Grün und mit abwechslungsreichen Perspektiven nehmen.

Mein ganz persönlicher Lieblingsabstieg ...

... beginnt etwas versteckt oben in Castelmola und endet in Taormina. Viel schöner kann man persönlich gar nicht absteigen. Immer wieder neue Blicke auf das Meer, die Landschaften, den Ätna. Der Pfad ist gut befestigt, keine Gitter stören die Aussicht, über all ist Grün - man könnte hier stundenlang weiterlaufen, aber ist in der Regel nach einer guten halben Stunde wieder "unten" in Taormina. Wer also individuelle Lust an Abstiegsszenarien empfindet, ist hier auf dem perfekten Weg.

La dolce vita oder auf verlorenem Posten

Bei den Italienern weiß man ja manchmal auch nicht ganz so richtig: Geht es nun um das süße Leben oder vielmehr darum, im Leben Flagge zu zeigen. Doch zum wahren la dolce vita fehlt bei diesem lost&lonley-Motiv so einiges, wenn nicht sogar komplett alles. Zumal die Ausrüstung für einen italienischen Regenten bzw. für militärischen Befehlshaber zu ärmlich und für einen Gefechtsstand zu wenig abschreckend herüberkommt. Also nehmen wir es als eine Art Laune, Spleen oder eben als Vor- bzw. Außenposten - einen avamposto - und stellen uns dazu eine donnernde salve di cannone (braucht man wohl nicht extra übersetzen, oder?) vor. Damit kein Italiener mehr einsam und länger auf verlorenem Posten stehen muss.

Straßenkino.

Die berühmten "Fähigen Ingenieure Aus Turin" bzw. die traditionelle Marke
Fabbrica Italiana Automobili Torino haben mit ihrem Fiat 500 sichtbar ein kleines Meisterwerk - Stichort "Straßenikone" - geschaffen. Klein und fein, wendig und schick. Auch dieser hier ist ein echter Hingucker in einer dieser typischen engen sizilianischen Städte und war wohl schon ein richtiges Stadtauto, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Aber, jede Individualität lässt sich ersichtlich noch mehr steigern - oder wie hier eben künstlerisch ausdrücken.

Ungelogen ist Pinocchio ...

... wohl Italiens bekanntester Lügner und zuallererst auch eine tragische Figur. Sein - im Gegensatz zur Holzpuppe - vollkommen Schwindel-freier Ziehvater Gepetto hat anfangs jedenfalls mehr Sorgen als Freude wegen ihm. Pinnochios wechselhafte Biografie spielt sich zwischen Gewalt, Lügen und Ängsten ab. Irgendwie auf der Flucht, irgendwo auf der Suche - ein bisschen vielleicht auch wie Lost&Lonely, doch voll von Phantasie und mit einem wahrhaftigen Happy End. Eine wunderbar erzählte und auch verfilmte Geschichte - darüber, wie das Leben erwacht und was das Leben ausmacht. Holz lügt eben nicht, sondern erzählt wahre Geschichten, hier in einem offensichtlichen Pinoccio-Fachgeschäft in Taormina.